Beziehungen für People Pleaser mit Sarah Schrödl

Beziehungen für People Pleaser mit Sarah Schrödl

Können People Pleaser überhaupt gesunde Beziehungen führen? Oder solltest du erst alleine deine People-Pleasing-Tendenzen loswerden? Darüber habe ich mit Sarah Schrödl in einer neuen Folge von „Allen Gefallen“ gesprochen. Spoiler: Du kannst sogar sehr gut an deinem People Pleasing arbeiten, während du eine Beziehung führst. Und auch in der Dating-Phase ist das möglich.

Sarah Schrödl ist Se*ual- und Paarberaterin. Ob alleine oder mit deiner*m Partner*in hilft sie, die Kommunikation in der Beziehung zu verbessern – auch, wenn dein People Pleasing euch belastet. Als Dating-Coach hilft sie dir außerdem, die richtige Person an deiner Seite zu finden.

Das ganze Gespräch mit Sarah kannst du im Podcast anhören. Einen Teil gibt es hier auch zum Nachlesen.

Liebe Sarah, was sind typische Probleme, die People Pleaser in Beziehungen haben?

Die Klassiker sind sicher Überanpassung und auch das Selbstwert-Thema. Wenn man die eigenen Bedürfnisse hinten anstellt oder sie vielleicht noch nicht kennt: Das führt dann natürlich dazu, dass man sich immer ein bisschen mehr selbst verliert. Man spürt sich weniger vernachlässigt vielleicht die eigenen Hobbys. Das bedeutet, dass das Leben des Partners fast schon den eigenen Mittelpunkt darstellt.

Spannenderweise habe ich die Erfahrung gemacht, dass People Pleaser auch wirklich gerne Partner und Partnerinnen anziehen, die extrem viel Raum einnehmen. Und dann geraten sie in einen Konflikt.

Das Thema Konflikt ist natürlich das nächste Problem, das People Pleaser oft haben: die klassische Konfliktvermeidung. Dass man Angst hat, abgelehnt zu werden, vielleicht Liebe entzogen zu bekommen oder sogar verlassen zu werden – und sich deswegen vorher gleich mal zurückzieht. Dadurch spricht man Vieles nicht mehr an, die Konflikte werden größer und man entwickelt eine Art Groll. Und dann wird man passiv-aggressiv oder sagt eben gar nichts mehr für die Harmonie.

So entsteht dann oft ein Ungleichgewicht in der Beziehung, das dazu führt, dass sich beide im Endeffekt ungerecht behandelt fühlen. Und das Spannende bei People Pleasern ist auch, dass sie gerne Nähe und Harmonie haben möchten, aber genau dieses Verhalten langfristig eher zu Distanz und Unzufriedenheit führt.

Kann ein People Pleaser überhaupt eine gesunde Beziehung führen oder muss man erst das People Pleasing ablegen?

Ich finde, dass People Pleasing nicht bedeutet, dass man beziehungsunfähig ist. Das ist ja auch eine erlernte Strategie, die man auch wieder verlernen kann. Was es dafür braucht, ist erstmal das Bewusstsein, um seine eigenen Muster wirklich zu erkennen und auch anzuerkennen. Und das braucht extrem viel Übung.

In der Ausbildung haben wir gelernt, dass dieses Anerkennen schon sein kann, diesen Anteil auch wirklich zu begrüßen. Wenn man merkt, man kommt so ins People Pleasing, dann zu sagen: „Hey, okay, ich sehe, dass du da bist und es ist auch erstmal okay, dass du da bist.“ Und sich dann in weiterer Folge auch zu fragen: „Wofür bist du denn eigentlich da? Was willst du mir eigentlich zeigen?“

Aber um deine Frage zu beantworten, ich glaube nicht, dass man seine People-Pleasing-Tendenz ablegen muss, um eine gesunde und glückliche Beziehung zu führen. Aber es braucht auf jeden Fall dieses Bewusstsein und auch die Bereitschaft, Verantwortung für den Teil zu tragen, der zu Problemen in der Beziehung führt.

Es gibt dieses Gerücht, dass man all seine Traumata, all seine großen Probleme, seine Vergangenheit, seine Macken, schon aufgearbeitet haben muss, um eine Beziehung zu führen. Für mich stimmt das gar nicht. Und ich glaube, dass wir besonders in Beziehungen zu anderen Menschen und vor allem in der Beziehung zu einem Partner, zu einer Partnerin, wirklich eine tolle Möglichkeit haben, an unseren eigenen Themen zu arbeiten. Und da gehört dann auch natürlich das People Pleasing dazu.

Wenn ich dann einen Partner oder eine Partnerin habe, der oder die diesen Anteil von mir kennt und den auch nicht ausnützt und ebenso vielleicht eine reflektierte Person ist, kann da wirklich sehr viel Entwicklung stattfinden.

Was würdest du People Pleasern raten, um besser zu kommunizieren und weniger People Pleaser zu sein in der Beziehung?

Kommunikation ist eigentlich der Schlüssel. Aber das ist leichter gesagt als getan. Deshalb ist dieses Bewusstsein zu entwickeln und auch das Anerkennen von diesem Anteil so wichtig. Und wenn man das einmal erreicht hat, wäre natürlich dann der nächste Schritt, sich zu fragen: „Was fühle ich eigentlich? Möchte ich ja oder nein sagen? Was brauche ich gerade?“

Kommunikation – und zwar wirklich ehrliche Kommunikation – beginnt ja oft im Inneren.

Und dann in weiterer Folge geht es darum, das Bedürfnis dahinter zu verstehen und sich dann vielleicht am Ende des Tages zu fragen: „Gab es heute einen Moment, wo ich zugestimmt habe, obwohl es sich für mich nicht stimmig angefühlt hat? Wovor hätte ich denn eigentlich Angst?“ Also was würde passieren, wenn ich Nein gesagt hätte. Habe ich dann zum Beispiel Angst, abgelehnt zu werden? Möchte ich vielleicht einen Streit vermeiden?

Schließlich geht es in die Kommunikation nach außen: Dieses Bedürfnis auch wirklich zu übersetzen und auszusprechen. Und das braucht natürlich extrem viel Zeit, aber es lohnt sich auch. Die klassischen Tipps wären natürlich, in Ich-Botschaften reden, auch Unsicherheiten offen mitteilen, erst einmal zu sagen: „Ich merke, da tut sich jetzt was, ich bin sehr unsicher, aber ich will trotzdem ehrlich mit dir sein, gib mir bitte einen Moment“, etc. Und definitiv auch, dass man klein beginnt. Was ganz wichtig ist meiner Meinung nach, dass man nicht gleich irgendeinen großen Konflikt starten muss. Das ist oft auch die Angst von People Pleasern: Sobald ich Nein sage, sind wir voll im Streit. Was soll ich dann machen?

Was Sarah dir dann raten würde, das kannst du im Podcast nachhören:

Hier kannst du Sarah Schrödl und ihre Beratung finden:
Website: persoenliches.at
Instagram: persoenliches